Er wird das ehemalige Benediktinerinnenkloster ab 8. Juni 2002 für die Dauer von 100 Tagen in Schloss Moosham umbenennen. Der Ort wird zum Schauplatz weitreichender, mythologischer Künstlerfantasien: Moosham als neues Bayreuth, als Geburtsstätte der Menschheit, als Ort für Milchkinder, für sinnbildlich neuen Wein, als Voodookammer oder Filmschauplatz.
Meese ist durch Künstlerbücher, Performances, Installationen und neuerdings durch Bilder bekannt geworden. Er zählt bereits heute zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation.

Die Berlin-Biennale vor vier Jahren machte den Künstler international bekannt. Seine Arbeiten werden seitdem in Museen und Galerien in New York und wichtigen Städten  Europas gezeigt.
Seine Werke zielen auf die Summe geschichtlicher Erfahrungen und Vorstellungen. Meeses Inszenierung von Schloss Moosham in Willebadessen mit neuer Malerei und Raumkunst kann als fiktiver wie realer Märchenstoff, Mythos und Drama gesehen werden. Die Ausstellung ist mit Unterstützung der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin, entstanden.

Garten-Landschaft Ost Westfallen Lippe wird vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfallen und der OWL Marketing GmbH unterstützt. Kurator ist Thomas Kellein, assistiert von Susanne Lupp. Veranstalter ist die Stadt Willebadessen unter Mitwirkung der Stiftung Europäischer Skulpturenpark e.V..

Weitere Rauminszenierungen 2002 finden sich im Gutspark Böckel, Gemeinde Rödinghausen, im Gräflichen Kurbad Driburg, im Botanischen Garten Gütersloh, im Schlosspark Wendlinghausen, Gemeinde Dörentrup, und am 7. September in Form einer Performance von Vanessa Beecroft in Schloss Vinsebeck, Gemeinde Steinheim.
Weitere Informationen hierzu auch unter Tel.: 05206-91 84 98 / Fax: 91 84 99


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P R E S S E S P I E G E L


NEUE WESTFÄLISCHE

Kultur       20.6.2002

Schlosssäle im Kopf Jonathan Meese:
Kosmos-Chronist in schwarzer Trainingsjacke

 

Willebadessen. An das Wort vom ?sanften Dionysos? aus den Feuilletons der überregionaler Zeitungen erinnert man sich bei einer Begegnung unweigerlich. Jonathan Meese, langhaarig, in Breitcordhose und der schwarzen Trainingsjacke mit den drei weißen Streifen entlang des Ärmels, lebt den Kontrast zu seiner Kunst.

Wird er doch als Wächter und Chronist machtvoller Botschaften aus den prallen mythisch angehauchten Welten eines Nietzsche, eines Wagner, eines Poe oder eines Heidegger angesehen. Meese pfercht hochspekulative Gedankenuniversen in überschaubare ?Saalwelten?. Derzeit das Medium des bejubelten Wunderkindes der deutschen Kunstszene: das von ihm in ?Schloss Moosham? umgetaufte ehemalige Benediktinerinnenkloster in Willebadessen bei Warburg. Für 100 Tage Meeses Ausdrucks-Kosmos am Rande der Egge: Bilder, Skulpturen, Texte und Videoinstallationen.

Eine Hörspielcassetten-Reihe aus dem Europa-Verlag gibt den Rahmen. ?Die Geschichten haben ich gehört, als ich zwölf war. Seitdem klingen sie mir im Ohr?, beschreibt der 32-Jährige seine Vorliebe für die literarischen Fantasiegeschichten, die mittlerweile zu Horrorklassikern wurden. Schloss Moosham (sprich: Mooshäm) ist der Schauplatz aus H. G. Francis? Gruselstory ?Der Pakt mit dem Teufel?.

?Schlösser und Klöster versinnbildlichen den Ort menschlicher Dynastien?, erklärt der in Tokio geborene und in Berlin lebende Performancekünstler. Steingewordene Familienchronik. ?Sie sind geheimnisvoll wie Ahnengalerien selbst.? Und genau das soll sie sein, seine Rauminszenierung im Klostergebäude. ?Wir alle sind Bestandteil von Dynastien?, ist sich der Künstler sicher. Es gelte Wurzeln, Heimat, Erbe wieder zu entdecken. Dabei sieht Meese den Übertrag ins Bewusstsein. Seine Kunst will individuelle Erinnerungen ? frei nach dem heideggerschen Begriff ? ?entbergen?.

?Verdichtung von Raum und Zeit?

Auf der Suche nach dem verlorenen Familienmitglied ? ?im Grunde eine Gott- oder Gralssuche?, sagt Meese über das Ausstellungskonzept ? versuchen die Räume auf Schloss Moosham eine Orientierung. ?Es ist eine Verdichtung von Raum und Zeit, der speziellste Ort der totalen Menschlichkeit im Kreislauf des Lebens.?

Menschliches Leben und Streben zwischen Geburt und Tod. Und Schlösser, da gibt sich Meese selbstbewusst, ?sind der angemessene Ort der Menschlichkeit?. Entsprechung menschlicher Würde wie auch existentiellen Horrors.

Allerdings, so sein religiöses Credo: ?Jeder sollte seinen eigenen Gott finden.? Willebadessens Kloster-Kleinod wird zum Schauplatz weitreichender, mythologischer Künstlerfantasien: Moosham als neues Bayreuth, als Geburtsstätte der Menschheit, als Ort für ?Milchkinder?, für sinnbildlich neuen Wein, als Voodookammer oder Filmschauplatz.

?Eine Chance für der Besucher, aus der Betrachtung in der Kultstätte Kloster über das Schloss Moosham den Übertrag auf das eigene Selbst zu leisten.? Meese fordert den Weg der ?Erzsuche?. Sein Oevre gibt die Richtung vor. Eine Ahnengalerie eben. Gefesselt von der parzivalisch anmutenden Suche nach der eigenen Herkunft und dem Streben nach Glück verheißender Zukunft.

Seit jeher das künstlerisches Schaffenselexier. Seine Ideen findet Meese überall. Man müsse nur die Augen aufhalten, sagt er. Und, das macht ihn sympathisch, Kunst, die man nur in hochtrabend reflektierenden Worten ausdrücken könne, sei keine wahre.

?Schloss Moosham wird wachsen?, verspricht Jonathan Meese. Im ehemaligen Klostergebäude und in den Köpfen der Besucher.

?Schloss Moosham 2002 - 2293? von Jonathan Meese ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr im Klostergebäude in Willebadessen, Klosterhof 2, geöffnet. Infos unter Telefon (0 52 46) 94 20 93.

VON DIETER SCHOLZ

BILD: Installation von Jonathan Meese. FOTO: Scholz
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WELT AM SONNTAG

Was macht Miles Davis im Gebüsch?

Sechs Gärten und Parks in Ostwestfalen-Lippe zeigen jetzt parallel zur Documenta in Kassel zeitgenössische Kunst.

Ein Projekt, das mehr Kultur in die Region der Heilbäder bringen soll
Von Christiane Hoffmans

Rechts und links der Straße liegen in einer sanften Hügellandschaft Felder und Wiesen. Buntgefleckte Kühe weiden auf fetten grünen Wiesen eine Postkartenidylle. Ostwestfalen-Lippe (OWL) ist für seine prosperierende Wirtschaft, seine niedrige Kriminalitätsrate, seine florierenden Heilbäder und seine effektive Landwirtschaft bekannt. Wer käme auf die Idee, in dieser malerischen Gegend diesseits und jenseits der A2 etwas anderes als Handel zu treiben oder Heilung zu suchen?

Kulturtouristen etwa sausen auf der A2 an OWL vorbei - Richtung Hannover oder Berlin, auf der A1 Richtung Köln oder Düsseldorf. Ein Abstecher in die Kunsthalle Bielefeld wäre da vielleicht noch drin - mehr wohl kaum. Dass man Kultur in diese Region bringen wollte, diese Absichtserklärung hatte die ehemalige Kultusministerin Nordrhein-Westfalens, Ilse Brusis, abgegeben. "Doch niemand hatte eine Vorstellung davon, wie das genau aussehen könnte", sagt Thomas Kellein, Leiter der Kunsthalle Bielefeld. Seiner Beobachtungsgabe ist es zu verdanken, dass OWL in diesem Jahr sechs dicke neue Punkte auf der Kunstlandkarte bekommt. Denn Kellein erkannte, dass das kulturelle Herz dieser Region in den angelegten Gärten und Parks liegt. Vor zwei Jahren startete er seinen ersten kultur-botanischen Versuch. Im Schlosspark von Wendlinghausen ließ Kellein den Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte "Fünf Frauen" aus Bronze aufstellen. Im folgenden Jahr waren es bereits die Eigentümer von vier Parks, die bei diesen Rauminszenierungen in Landschaft und Park mitmachten. In diesem Jahr finden bis zum 15. September zeitgenössische Künstler in sechs Parks ihr Forum: Richard Deacon im Gutspark Böckel, Olafur Eliasson im Botanischen Garten Gütersloh, George Condo im Schlosspark Wendlinghausen, Vanessa Beecroft in Schloss Vinsebeck, Jonathan Meese im Kloster Willebadessen und Tony Oursler im Gräflichen Kurpark Driburg.

Da das Projekt auf zehn Jahre angelegt ist, wird sich die Zahl der Teilnehmer in den kommenden Jahren sicher weiter erhöhen. Mehr als 200 historische Gärten und Parks zählt das Land "ganz oben in NRW", und wer weiß, vielleicht wird 2006 so etwas wie eine Kunst-im-Garten-Documenta entstehen.

Wer sich schon jetzt auf den Weg macht, um die einzelnen Orte zu besuchen, sollte eine gute Landkarte im Gepäck haben. Denn die Gärten liegen weit voneinander entfernt in schönen, aber auch versteckten Winkeln der Region. Einen Tag sollte man rechnen und zwischendurch zur Stärkung ein Gläschen Heilwasser in Bad Driburg genießen. Dort hört man dann Stimmen: "Wir wollen mehr, wir wollen mehr, wir wollen mehr!", schreit Barbara Sukowa in den Kurpark Bad Driburg hinein. Ihr Wimmern, Stöhnen, Jauchzen durchschneidet messerscharf die gediegene Atmosphäre der gräflichen Kuranlagen.

Der amerikanische Künstler Tony Oursler schuf hier in der Konzertmuschel des Parks die Rauminszenierung "Shock-Rock": Zwei eiförmige Skulpturen, auf die der Kopf der Schauspielerin projiziert ist. Eine irritierende Installation, die aber dem Kelleinschen Anspruch von höchster Qualität gerecht wird. So wie auch die Inszenierung der vier Keramikskulpturen von Richard Deacon im Gutspark Böckel. Hier wird weniger fordernd irritiert als vielmehr sinnlich stimuliert. Noch bevor man die ungewöhnlichen Formen der Skulpturen begreifen kann, möchte man am liebsten an ihrer glänzenden himbeerroten, wackelpuddingblauen und melonengrünen Haut einmal schlecken. Das Skulpturenensemble des Engländers ist eines der Projekte, die sicherlich am eindringlichsten Kelleins Devise verwirklicht: "Mit der Kunst die Schönheit der Gärten herausheben." Diese Maxime erfüllen auch die drei riesigen Skulpturen von George Condo im Schlosspark Wendlinghausen. Der hochglanzpolierte Edelstahl der scharf ausgeschnittenen Buchstabengebilde "Monk", "Miles Davis" und "Bird" - eine Hommage an berühmte Jazzmusiker - lässt den Garten sich im Metall spiegeln.

Wenn sich das Projekt in dieser Qualität auch über die nächsten Jahre weiterführen lässt, wird die OWL Marketing GmbH nicht mehr mit "OWL, der Heilpark Deutschlands" werben, sondern vielleicht mit "OWL, der Kulturpark Deutschlands".

Infos unter 05206/918498

Channel: Feuilleton Ressort: Austellungen Erscheinungsdatum: 09. 06. 2002

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Neue Westfälische :

Die hohe Kunst der Übertragung

08.06. 2002  




Jonathan Meese, Shootingstar der deutschen Kunstszene,
stellt in Willebadessen aus

Willebadessen. "Qualen der Hölle, der Teufel bietet Toni einen Pakt an: Toni wird zum Schergen des Teufels und geht auf Menschenjagd - Schloss Moosham wird zum Schauplatz eines Kampfes auf Leben und Tod". Schloss Moosham, dass ist nun für 100 Tage das Klostergebäude in Willebadessen.

So will es zumindest der Berliner Künstler Jonathan Meese, der in den Räumen des ehemalige Benediktinerinnenklosters seine Kunst ausstellt: Bilder, Skulpturen, Texte und Videoinstallationen.

Meese hat den Willebadessner Ausstellungsort im Rahmen der Rauminszenierungen des Projektes Garten-Landschaft OstWestfalenLippe - Kunst in Gärten und Parks kurzerhand "umgetauft" . Sein Vorbild: eine Hörspielcassetten-Reihe aus dem Europa-Verlag. "Die Geschichten haben ich gehört, als ich zwölf war. Seitdem klingen sie mir im Ohr, sind hängengeblieben", beschreibt der 32-Jährige seine Vorliebe für die literarischen Fantasiegeschichten, die mittlerweile zu Horrorklassikern wurden. Schloss Moosham (phonetisch: Mooshäm) ist der Schauplatz aus H. G. Francis' Gruselstory "Der Pakt mit dem Teufel".

Schlösser und Klöster versinnbildlichen für den in Tokio geborenen und in Berlin lebenden Performancekünstler den Ort menschlicher Dynastien. Steingewordene Familienchronik. "Sie sind geheimnisvoll wie Ahnengalerien selbst." Dabei sieht Meese aber auch den Übertrag ins Bewusstsein. "Wir alle tragen Schlösser in uns, sind Teil von Dynastien unter dem Stichwort Heimat, Wurzel und Erbe." Seine Kunst will diese individuellen Erinnerungen wieder entdecken lassen.

Auf der Suche nach dem verlorenen Familienmitglied - "im Grunde eine Gott- oder Gralssuche", sagt Meese über das Ausstellungskonzept - versucht Schloss Moosham eine Orientierung. "Es ist eine Verdichtung von Raum und Zeit, der speziellste Ort der totalen Menschlichkeit im Kreislauf des Lebens." Menschliches Leben und Streben zwischen Geburt und Tod. Und Schlösser, da gibt sich Meese selbstbewusst, "sind der angemessene Ort der Menschlichkeit". Entsprechung menschlicher Würde wie auch des existentiellen Horrors.
Im Grunde, so bekennt der in den Feuilletons großer bundesdeutscher Zeitungen gefeierte Jung-Künstler, sei er ein gläubiger Mensch. Allerdings, so sein religiöses Credo: "Jeder sollte seinen eigenen Gott finden." Die Sprache seiner darstellenden Kunst ist mystisch. Worte wie Zypressenmädchen und die Milchkinder, Erzfestung, Erbfreunde, Staatssud, Erzweltenformel, Nährdynastie klingen geheimnisvoll und schmecken nach Mysterienkult.

Willebadessens Kloster-Kleinod wird zum Schauplatz weitreichender, mythologischer Künstlerfantasien: Moosham als neues Bayreuth, als Geburtsstätte der Menschheit, als Ort für Milchkinder, für sinnbildlich neuen Wein, als Voodookammer oder Filmschauplatz.

"Eine Chance für der Besucher, aus der Betrachtung in der Kultstätte Kloster über das Schloss Moosham den Übertrag auf das eigene Selbst zu leisten." Meese fordert auf dem Weg der "Erzsuche" Einiges, gibt die Richtung vor und vertraut auf die Wirkung seiner Exponate im Zusammenhang. Eine Ahnengalerie eben. Gefesselt von der parzivalisch anmutenden Suche nach der eigenen Herkunft und dem Streben nach Glück verheißender Zukunft. Seit jeher das künstlerisches Schaffenselexier.

Seine Ideen findet Meese überall. Man müsse nur die Augen aufhalten, sagt er. Und, das macht ihn sympathisch, Kunst, die man nur in hochtrabend reflektierenden Worten ausdrücken könne, sei keine wahre.

Das Projekt Garten-Landschaft OstWestfalenLippe wird vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfallen und der OWL-Marketing GmbH unterstützt. Kurator ist Dr. Thomas Kellein, assistiert von der Kulturhistorikerin Susanne Lupp. Veranstalter ist die Stadt Willebadessen unter Mitwirkung der Stiftung Europäischer Skulpturenpark. Die Garten-Landschaft-Rauminszenierungen sind Teil einer ganzen Reihe kultureller Veranstaltungen, die sich in diesem Sommer rund um das Schloss entfalten. Morgen ab elf Uhr ist die Ausstellung bis zum 15. September für die Öffentlichkeit zugänglich.

"Schloss Moosham wird wachsen", verspricht Jonathan Meese. Im ehemaligen Klostergebäude und in den Köpfen der Besucher.

VON DIETER SCHOLZ

BILD:Der Schöpfer versunken inmitten seiner Werke: Jonathan Meese beim Aufbau der ?kosmischen Familie? . Sie wird ein Teil seiner Inszenierung in den Räumen des Willebadessener Klostergebäudes. FOTO: SCHOLZ

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 Neue Westfälische:

 19.03. 2002 Rauminszenierungen in grünen Oasen

  ?Kleine Paradiese in OWL?: Kunst-Events in Willebadessen, Bad Driburg und Vinsebeck ab Mai

Willebadessen/Kreis Höxter. Die Kunst darf heute (fast) alles. Solange sie "neue Dimensionen für die Wahrnehmung für die von Menschen gestaltete Natur eröffnet", ist sie willkommen. Und erst recht, wenn sie die "Schönheitssehnsucht für die kleinen Paradiese in Ostwestfalen-Lippe befördert" - denn dann sind alle ästhetischen Mittel zur kunstvollen Gestaltung willkommen, die die Gärten nicht zerstören. Diese Philosophie soll nun zwischen Mai und September auch im Kreis Höxter umgesetzt werden, wenn in Willebadessen, Bad Driburg und Vinsebeck "Rauminszenierungen" installiert werden.

Die Projekte sind Teil eines internationalen Kulturprogramms, das von der Ostwestfalen-Lippe Marketing GmbH veranstaltet wird. Und dabei ist der Name schon Programm: "Kleine Paradiese in OstWestfalenLippe" widmet sich ganz gezielt den Gärten und Parks in der Region, weil sie "als Ausflugsziele und als Schauplätze für Kunst und Kultur im Trend sind", so die Marketing-Gesellschaft. Dass dabei die Initiatoren auf einem guten Weg sind, beweisen die Zahlen des vergangenen Jahres: 30.000 Menschen besuchten die verschiedenen Veranstaltungen in den "kleinen Paradiesen der Region" - und das nicht ohne Grund. Denn zum einen gibt es zwischen dem Teutoburger Wald sowie dem Wiehen- und Eggegebirge eine ungewöhnliche Vielfalt von Anlagen. Barocke Gärten und englische Landschaftsparks mit kostbaren Baum- und Pflanzenarten, angelegt von den bedeutendsten Landschaftsgestaltern des 18. und 19. Jahrhunderts, umgeben Schlösser und Klöster. Und dieses Potenzial soll auch in diesem Jahr genutzt werden - wenn unter der konzeptionellen Federführung von Thomas Kellein (Kurator der Kunsthalle Bielefeld) Rauminszenierungen bildender Kunst sowie dem Literatur- und Musikfest "Wege durch das Land" (Kuratorin Brigitte Labs-Ehlert vom Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe) ein herausragendes Kulturprogramm mit internationalen Künsterln angeboten werden werden.

In diesem Jahr werden dabei unter anderem der Videokünstler Tony Oursler aus New York, der Performance-Künstler Jonathan Meese (Berlin) sowie der Isländer Olafur Eliasson Gärten gestalten - so in Willebadessen, Bad Driburg und Vinsebeck.

Kellein erwartet ein noch größeren Publikumsandrang als im vergangenen Jahr. Er setzt dabei auf die gleichzeitig in Kassel laufende "Documenta 11"; denn allein vier der sieben Rauminszenierungen finden nicht weit entfernt von der Kunstmetropole Kassel statt.

Ab Mai gibt es einen Wegweiser zu den 24 schönsten Grünanlagen in Ostwestfalen-Lippe

Neben Willebadessen, Bad Driburg und Vinsebeck wird Wendlinghausen (bei Dörentrup/Kreis Lippe) Schauplatz eines Kunstevents sein. Die anderen Inszenierungen werden in Böckel (bei Rödinghausen/Kreis Herford), Gütersloh und Hüffe (bei Preußisch Oldendorf/Kreis Minden-Lübbecke) installiert.

Ein weiterer Effekt des Kunstprogramms ist die ständige Verbesserung der Pflege bestehender Anlagen. So werden in Gütersloh, Vlotho und im Kloster Dalheim die Renovierung und Neugestaltung von Grünanlagen gefeiert. Schon Ende April wird ein Wegweiser zu den 24 schönsten Parks in Ostwestfalen-Lippe veröffentlicht werden, der außer den Gartenbeschreibungen auch Tipps enthält, wie diese grünen Oasen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Lesen Sie dazu einen weiteren Bericht auf dieser Seite zum Programm¦ "Wege durch das Land"

VON PETER URES 
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WESTFALEN-BLATT, Ausgabe Warburg, 2.4.2000

Kunstprojekt in Schloss Willebadessen im kommenden Sommer

Performancekünstler Jonathan Meese bestimmt das Geschehen
       
Willebadessen (cr) Die organisatorischen Vorbereitungen für das Kunstprojekt "Rauminszenierungen" im Rahmen der Kulturintiative "Gartenlandschaft OWL" laufen auf Hochtouren. In Willebadessen wird Jonathan Meese, ein Performance-Künstler aus Berlin, das künstlerische Geschehen bestimmen.Der 1971 in Tokio geborene Meese gilt als Senkrechtstarter der deutschen Kunstszene....
Meese hatte von 1995 bis 1998 bei Professor Franz Eberhard Walther an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg studiert....2001 war eine grosse Meese-Werkschau in der New Yorker Galerie Leo Koenig zu sehen. Mit seinen drastischen, teils schockierenden und stets provokanten Darstellungen erregte er grosse Interesse beim Kunstpublikum in Manhatten....
Die "Gartenlandschaft"-Rauminszenierungen sind Bestandteil einer ganzen Reihe kultureller Veranstaltungen, die sich in diesem Sommer rund um das Schloss entfalten...

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 Neue Westfälische

LOKALARTIKEL 20.04. 2002

Musik, Literatur, Wein und mehr 

Fünf Kunstnächte beim Kultursommer 2002 in der Klosteranlage der Eggestadt Willebadessen


Willebadessen. Die Zitrone, nicht die ausgepresste, saure, sondern die leuchtend gelbe als Symbol und Sinnbild von Lebenslust, Genuss und mediterranem Flair - in Anlehnung an Goethes Verse "Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn - Dahin möcht ich mit Dir, oh mein Geliebter, ziehn" - leuchtet von Prospekten und Flyern, die den zweiten Kultursommer in Willebadessen ankündigen. Das Kloster Willebadessen soll von Juni bis Oktober an jedem ersten Freitag im Monat ein Zentrum kulturellen Lebens und Genießens werden: "Kunstnächte", die Räume verzaubern.

Als gemeinsames "Kind" von der Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster, der Stiftung Europäischer Skulpturenpark sowie der Stadt Willebadessen in Kooperation mit der Fachhochschule Lippe-Höxter im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben, seien die kulturellen Veranstaltungen 2001 auf fruchtbaren Boden gefallen und hätten ein immer größer werdendes Publikum erreicht, betonten die Verantwortlichen, die auch beim Kultursommer 2002 wieder zusammenarbeiten werden.

Das Konzept: "Kulturnächte" mit mehreren, miteinander verwobenen Veranstaltungen, Konzerten, Literatur, Vorträge sowie dem Treffpunkt Foyer mit "Zeit für Wein und mehr", dem Miteinander: "Wir gewinnen Zeit, indem wir uns Zeit nehmen", kommentierte Hans Hermann Jansen, Initiator, Koordinator und Organisator, von den Musikfreunden aus Marienmünster diese "Mischung von anspruchsvoller Unterhaltung und Momenten des Nachdenkens".

Mit der Auswahl der Künstler sei "für jeden ein Bezugspunkt hergestellt: für die, die hier in Willebadessen wohnen, und für die, die als Gäste kommen." Jansen spricht von einem "Gleichklang" mit Veranstaltungen in Corvey, Dalheim oder Marienmünster, wobei Willebadessen aber seine ganz eigene Note bekomme. "Der Schatz, das Kleinod Willebadessen bekommt damit seinen Punkt", schmunzelte Jansen und betonte, dass man bewusst nur einmal monatlich eine solche Kulturnacht anbiete: "Denn im Überangebot erstickt die genießende Seele."

Auch Bürgermeister Karl-Heinz Glaremin, dem es darum geht, das "zarte Pflänzchen Kultursommer Willebadessen" zu hegen und zu pflegen, hob hervor, man wolle nicht anderes kopieren oder nachahmen, sondern eigene Akzente anspruchsvoller Unterhaltung setzen. Mit einem Programm voller Anreiz, das für jeden etwas biete zu "sozial verträglichen Preisen". Mit dem neuen Träger des Bildungszentrums, dem Sozialnetzwerk "Arche", habe man einen weiteren Interessenten gefunden, den man ins Programm miteinbeziehen könne, so Glaremin. Zudem werde erstmals die St. Vitus-Kirche eingebunden.

Bewusst mit hinein genommen in diesen Dreiklang werden die Rauminszenierungen von Jonathan Meese unter dem Konzept der Garten-Landschaft OWL vom 9. Juni bis zum 15. September, erklärte Petra Saggel von der Stiftung Europäischer Skulpturenpark. "Konzerte und Kunstausstellung - das ergänzt sich sehr gut." Es sei wichtig, dass das Konzept auf ein breites Fundament gebaut sei, wie bei einem Mosaik jeder seinen Teil zum Ganzen beitrage und man im Sinne der Wiederbelebung der Klosteranlage Gemeinsamkeiten gefunden habe, die sich nun etablierten.

Die Fachhochschule Lippe-Höxter, die im vergangenen Sommer mit ihren Raumklängen und Inszenierungen faszinierte, wird den Kultursommer 2002 begleiten, allerdings erst im Jahr 2003 mit "barocken Assoziationen quer durch Europa" wieder im Kloster in Erscheinung treten.

Das Programm des Kultursommers 2002 beginnt mit der Kunstnacht am Freitag, 7. Juni, zu der Gudrun Kiesewetter und Peter Schütze eine musikalisch-rezitatorische Erich-Kästner-Revue gestalten. Nach dem "Treffpunkt Foyer" geht es dann weiter mit Literatur und Musik unter dem Titel "Im Klang der Rose", Nachtgedanken im Kreuzgang mit dem Chor "Treue" Steinheim. Mit Dina Ugorskaja ist für September eine Pianistin der Extra-Klasse, Tochter des bekannten Anatol Ugorsky, gewonnen worden. Und im Oktober heißt es beim Konzert "Gioia di vivere": Klassik meets zeitgenössische Musik.

VON SIMONE FLÖRKE

BILD:Gemeinschaftsprojekt Kultursommer:Hans Hermann Jansen, Petra Saggel, Karl-Heinz Glaremin, Hans Münstermann (Stadtverwaltung Willebadessen) und Fabian Rabsch von der FH Lippe-Höxter (von links) laden zu fünf Abenden im ehemaligen Kloster Willebadessen ein. FOTO: SIMONE FLÖRKE 

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NEUE WESTFÄLISCHE    KULTUR

                    Kleine Paradiese
27.04. 2002   Gartenlandschaft OWL ? Programm 2002 vorgestellt

Bielefeld. Die ?Gartenlandschaft Ostwestfalen Lippe (OWL)? lockt. 30.000 Besucher zählte der Veranstalter, die OWL Marketing GmbH, 2001 bei ihren Veranstaltungen in den Gärten und Parks der Region. Dieses Jahr könnten es mehr werden. Sechs künstlerische Garteninszenierungen stehen diesmal auf dem Plan, 14 literarisch-musikalische Veranstaltungen außerdem, und einige renovierte alte Gärten und Parks werden neu eröffnet.

Die Kunstinszenierungen stehen unter dem Titel ?Kleine Paradiese in OWL?. Der Bielefelder Kunsthallenleiter Thomas Kellein, der das Programm erarbeitet, wartet in diesem Jahr wieder mit renommierten Künstlern auf ? auch um einige Besucher der ?documenta? in Kassel zu einem Abstecher in die Region zu verführen. Daher kommen südlich gelegene Standorte in OWL ins Spiel, etwa der Europäische Skulpturenpark und das Kloster Willebadessen, wo ab 8. Juni der deutsche Künstler Jonathan Meese eine während der 100 Tage der documenta wachsende Installation einrichten wird.

Im Kurpark Bad Driburg, letztes Jahr mit dem ?goldenen Lindenblatt? ausgezeichnet, wird in der Konzertmuschel der US-amerikanische Videokünstler Tony Oursler, mehrmals auf der documenta zu Gast, eine Lichtinstallation aufbauen. Vanessa Beecroft lässt am Sonntag, 8. Juni, auf Schloss Vinsebeck 30 Models für eine Performance aufmarschieren. Der New Yorker George Condo wird im Schlosspark Wendlinghausen Edelstahl-Plastiken aufrichten.

Das Gerüst für einen Dufttunnel hatte der isländische Künstler Olafur Eliasson im Botanischen Garten Gütersloh schon im letzten Jahr aufgestellt, jetzt beginnen dort der Lavendel und allerlei Kräuter zu blühen, das volle Duftaroma soll sich im Juli entfalten. Der Bildhauer Richard Deacon bespielt den Gutspark von Gut Böckel. Dort nehmen in diesem Jahr die ?Wege durch das Land? des Literaturbüros OWL am 18. Mai in einer allerdings schon ausverkauften Veranstaltung mit dem Schauspieler Bruno Ganz ihren Ausgang.

Literaturbüro-Leiterin Brigitte Labs-Ehlert versichert, dass es sonst Karten noch gibt. Aus dem umfangreichen Programm des Literatur- und Musikfests hebt sie drei Tage Ende Mai zum Thema ?Landschaft übersetzen ? Landschaft erinnern? hervor. Auf Schloss Holzhausen will man sich des Landlebens früher vergegenwärtigen. Im Elektrizitätswerk Kirchlengern lotet man das Energiepotenzial von Poesie und Musik aus, die Radiophilharmonie Hannover des NDR spielt John Fields Klavierkonzert Nr. 5. Überhaupt kommen bedeutende Literaten, Schauspieler, Musiker ins Land ? Libgart Schwarz zum Beispiel, Inger Christensen oder Julian Köhler.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe richtet weiterhin alte Gärten her. Für die Wiederherstellung des Schlossparks Wehrden in Beverungen zum Beispiel oder des Landschaftsparks Rheder in Brakel gibt es Finanzierungszusagen des Landes. Andere Projekte sind abgeschlossen; heute, Samstag, 27. April, wird um 20 Uhr (Lasershow 21.30 Uhr) der Stadtpark Gütersloh wieder eröffnet.

Garten-, Park- und Landschaftskultur ? das soll nach Worten des Projektleiters der OWL Marketing GmbH, Jürgen Heinrich, als regionales Markenzeichen auch 2002 kräftig Ausstrahlung entwickeln.

VON MANFRED STRECKER

Programm zur Gartenlandschaft: Zur ?Garten-Landschaft Ostwestfalen-Lippe? gibt es eine Programmübersicht. Außerdem ist ein Wegweiser zu 24 ausgewählten Grünanlagen mit Anfahrtshinweisen erschienen. Ab 6. Mai bei den Tourist-Informationen erhältlich. Programm ?Wege durch das Land?, Tel. (0 52 31) 98 25 45.BILD: Gutspark Böckel: Dort wird der Bildhauer Richard Deacon für die ?kleinen Paradiese OWL? Skulpturen aufstellen. 

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Bitte schauen Sie daher bei einem späteren Besuch noch einmal auf dieser Seite vorbei. Vielen Dank für Ihr Interesse!

 
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